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Analysen und Studien

Studie über den Einsatz von Weihrauch bei früher Multipler Sklerose

Über die alt-bekannten Einsatzgebiete hinaus gibt es eine Vielzahl von Studien, um zu erforschen, inwieweit Weihrauch auch bei so schweren Erkrankungen wie MS (Multiple Sklerose) eingesetzt werden kann. Im Dezember 2017 wurde eine Studie aus Deutschland, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf und dem NeuroCure Clinical Research Center der Charité Berlin veröffentlicht mit der Fragestellung "Hilft Weihrauch bei früher Multipler Sklerose". (http://jnnp.bmj.com/content/89/4/330 ) Die Pressemitteilung des Universitätsklinikums Schleswig Holstein teilt dazu mit:

Die frühe Phase-II-Studie mit insgesamt 28 teilnehmenden Patienten konnte zeigen, dass ein dreimal täglich über einen Zeitraum von acht Monaten als Kapseln eingenommener Weihrauchextrakt die entzündliche Krankheitsaktivität der Multiplen Sklerose in der Magnetresonanztomographie (MRT) signifikant senkt. Die Studie wurde unter der Leitung von Dr. Stürner (leitende Studienärztin) und Prof. Dr. Christoph Heesen (Leiter der klinischen Prüfung) am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und dem NeuroCure Clinical Research Center der Charité Berlin durchgeführt und war durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Konsortiums New Drugs Against Neurological Diseases (NEU²) gefördert.

„Die Studienergebnisse haben unsere Erwartungen insbesondere in der Zusammenschau der positiven Effekte der Weihraucheinnahme auf bildgebende, klinische und immunologische Messwerte übertroffen“, sagen die beiden verantwortlichen Studienleiter „sie sind jedoch vor allem als Aufforderung für die Durchführung einer kontrollierten Phase-II oder -III Studie anzusehen.“ Weihrauch könnte aufgrund der geringen Nebenwirkungen insbesondere für geringbetroffene und erst kurz erkrankte Multiple-Sklerose-Patienten eine Behandlungsoption darstellen. „Hierzu sind jedoch weitere Studien erforderlich. Unser nächstes Ziel ist daher die Gewinnung eines Sponsors zur Weiterführung dieses vielversprechenden Therapieansatzes“, sagt Dr. Stürner. Von der eigenständigen Einnahme von frei verkäuflich erhältlichen Weihrauchpräparaten wird ausdrücklich abgeraten.

 

Inhaltsstoffe des Weihrauch

Es gibt eine Studie der Universität Erlangen/Nürnberg aus dem Jahr 2016, die sich mit den Inhaltsstoffen der einzelnen Weihrauchsorten befasst.

Bedingt durch die verschiedenen Arten und Lebensräume enthalten die Weihrauchharze unterschiedliche Bestandteile in unterschiedlichen Mengen. Im einzelnen sind das ätherische Öle, Harze, Schleimstoffe und Neutralbestandteile.

Alle Boswelliasäuren zusammen machen etwa 30 – 50 % der Harzsäuren aus, darüber hinaus gibt es aber noch weitere Harzsäuren, die nach aktuellem Forschungsstand ebenfalls mitverantwortlich sind für die Wirkung des Weihrauch. Während es die Boswelliasäuren nur im Weihrauch gibt, kommen die anderen Harzsäuren auch in anderen Pflanzen vor.

Für diejenigen, die es genauer wissen möchten, hier noch weitere Angaben:

Ätherisches Öl: Gehalt 5 bis 9 %, abhängig von der Stammpflanze. Das ätherische Öl des von Boswellia sacra stammenden Weihrauchs enthält überwiegend 1-Octylacetat und 1-Octanol sowie in geringer Menge Cembren und Incensol, Isocembren, Isoincensol und α-Pinen, wogegen im Öl aus Boswellia serrata die Monoterpene (+)-α-Thujen, (+)-α-Phellandren und α-Pinen dominieren.

Harz: Anteil ca. 50 bis 60 %. Die exakte Zusammensetzung ist ebenfalls abhängig von der jeweiligen Stammpflanze, dominierende Komponenten sind jedoch die Boswelliasäuren, bei denen es sich um penatazyklische Triterpene vom Oleanan- oder Ursan-Typ handelt. Hauptkomponenten sind Boswellinsäure [= α-Boswelliasäure: R1 = H, R2 = CH3 (= 3α-Hydroxyolean-12-en-24-säure) und ß-Boswelliasäure: R1 = CH3, R2 = H (= 3α-Hydroxyurs-12-en-24-säure)], ferner finden sich 11-α-Hydroxy-ß-boswelliasäure, 11-Keto-ß-boswelliasäure, 3-Acetyl-11-keto-ß-boswelliasäure sowie die 4(23)-Dihydroroburicsäure.

Schleimstoffe: Gehaltsangaben schwankend von 6 bis 20 %. Als Monosaccharidbausteine wurden Galactose, Arabinose, 4-O-Methylglucuronsäure nachgewiesen.

Neutralbestandteile: Zu den Neutralbestandteilen gehören Monoterpene, Diterpene, Sesqiterpene und Triterpene, diese verleihen dem Weihrauch seinen typischen Geruch und seine klebrige Eigenschaft. Es kommen jedoch nicht alle Stoffe in allen Arten vor, so dass man die einzelnen Weihraucharten mit Hilfe der Neutralbestandteile voneinander unterscheiden kann.

Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe

Der Haupt-Wirkstoff sind die in allen Weihrauchsorten enthaltenen Boswelliasäuren, die entzündungshemmend wirken, indem sie Cathepsin G hemmen und so die Entzündungskaskade stoppen. (Vgl. Studie von Prof. Dr. Werz, Uni Tübingen 2009). In der zitierten Studie findet sich die Schlussfolgerung, dass Weihrauchextrakte Wirksamkeit zeigen bei verschiedenen entzündlichen Erkrankungen wie z.B. Arthritis, chronisch-entzündlichen Darm-und Atemwegserkrankungen.

Boswelliasäuren hemmen u.a. ein Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist, und verringern so die Entzündungsreaktion (Indian Journal of Pharmaceutical Science, Mai/Juni 2011, M. Z. SIDDIQUI). In-vitro-Untersuchungen weisen auch auf eine Hemmung der 5-Lipoxygenase, des Schlüsselenzyms der Leukotrienbiosynthese, als einen weiteren möglichen Wirkungsmechanismus hin. Der für diese Studien verwendete Weihrauch Boswellia serrata ist als pflanzlicher Arzneistoff im europäischen Arzneibuch beschrieben, es gibt jedoch keine Fertigarzneimittel. Andere Weihrauchsorten können bis dato aufgrund der fehlenden Spezifikation nicht für die rezepturmäßige Verwendung qualifiziert werden.

Doch Weihrauch hat noch eine ganze Menge weiterer Inhaltsstoffe, die bislang unterschätzt wurden. Und bei diesen Neutralbestandteilen lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Weihrauchsorten feststellen. (vergl Studie der Uni Erlangen 2016) Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden hier nur Boswellia sacra und Boswellia serrata gegenübergestellt, um darzustellen, wo die jeweiligen Stärken und Schwächen liegen.

So enthalten beide Sorten Eucalyptole (1,8-Cineol), die schleimlösend und bakterizid wirken, in Boswellia sacra ist jedoch fast die dreifache Menge enthalten.

In Boswellia sacra finden sich ß-Elemene, diese wirken antiproliferativ, das bedeutet Zell- und Gewebewachstum hemmend. 

Außerdem enthält Boswellia sacra ß-Caryophyllen, dabei handelt es sich um ein Cannabinoid, das entzündungshemmend, aber nicht berauschend wirkt. Es kommt als Ausgangspunkt für neue Arzneimittel infrage.

Caryophyllenoxid ist ein weiteres Cannabionid, das in Boswellia sacra in der über 40-fachen Menge im Vergleich zu Boswellia Serrata zu finden ist. Dabei handelt es sich um einen antifungalen Wirkstoff, das bedeutet, er wirkt gegen gegen Pilze.

Auch erwähnen sollte man epi-alpha-Cadinol, das nicht nur ein Antimykotikum ist, sondern auch leberschützende Eigenschaften hat und als Medikament gegen therapieresistente Tuberkulose vorgeschlagen wurde, epi-alpha-Cadinol ist ebenfalls in Boswellia sacra zu finden.

Es gibt auch Stoffe, die nur im indischen Boswellia serrata zu finden sind. An erster Stelle ist hier Estragol (Methylchavicol) zu nennen. Estragol wirkt in Tierstudien krebserzeugend, ist also mit Vorsicht zu genießen.

Ähnliches gilt für Methyleugenol, das seit 2013 als möglicherweise krebserzeugend eingestuft ist. Methyleugenol darf bei der Herstellung und Behandlung von kosmetischen Produkten nicht mehr verwendet werden, ausgenommen sind nur Vorkommen in natürlichen ätherischen Ölen mit klar definierten Konzentrationen.

Das nur im indischen Boswellia serrata nachweisbare Elemicin wirkt halluzinogen.